Vermietung an Gesellschafter-Geschäftsführer: Wann liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung vor?

 

Mit dieser Frage hatte sich das Finanzgericht Köln in seinem Urteil vom 20.8.2015 zu beschäftigen. Laut Sachverhalt erwarb eine GmbH im Mai 1987 für 550.000 DM ein Einfamilienhaus mit 250 qm Wohnfläche und vermietete es für 1.750 DM monatlich an ihren alleinigen Gesellschafter und Geschäftsführer.

 

Betriebsprüfer unterstellt vGA

Die Vermietung führte bei isolierter Betrachtung alljährlich zu einem Verlust für die GmbH. Nach einer Betriebsprüfung für die Streitjahre 1995 ff. ging das Finanzamt davon aus, es liege eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) vor, da die bislang angewendete Vergleichsmiete nicht an die zwischenzeitliche Mietentwicklung angepasst worden und zudem wegen nachträglicher eingebauter Schränke zu erhöhen sei. Einspruch und Klage blieben erfolglos.

 

Grund für vGA: Nicht kostendeckende Vermietung

Die nicht kostendeckende Vermietung des Einfamilienhauses führte zu einer vGA, die sogar höher zu bewerten ist als der vom Finanzamt bisher angesetzte Betrag. Davon ausgehend, dass eine Kapitalgesellschaft keine private Sphäre hat, rechnet das Einfamilienhaus zum Betriebsvermögen, die damit verbundenen Aufwendungen bzw. Verluste führen zu Betriebsausgaben. Diese können als vGA anzusehen sein.

Dies gilt insbesondere dann, wenn die Gesellschaft nicht aus eigenem Gewinnstreben, sondern zur Befriedigung privater Interessen des Gesellschafters handelt. Letzteres kann anhand der für die Liebhaberei entwickelten Kriterien beurteilt werden.

 

Nicht kostendeckende Vermietung hält Fremdvergleich nicht stand

Der BFH hat bereits entschieden, dass eine nicht kostendeckende Vermietung eines Wohnhauses zu einer vGA führt, da ein solches Mietverhältnis einem Fremdvergleich nicht standhält. In diesem Fall richtet sich die Höhe der vGA jedoch nicht nach der Markt-, sondern nach der Kostenmiete. Ob ein „aufwendig gestaltetes“ oder „normales“ Haus vermietet wird, ist dabei unerheblich.

 

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Entscheidung Bewertung zur Höhe der vGA noch offen

Nachdem gegen das Urteil des FG Köln Revision eingelegt wurde (Az. I R 71/15), sind beim I. Senat des BFH nun mehrere Verfahren zur Bewertung von vGA bei der Vermietung von Wohnräumen an Gesellschafter-Geschäftsführer anhängig.

Anders als das FG Köln hat sich das FG Baden-Württemberg in seinem Urteil vom 5.8.2014 nicht an der Kosten-, sondern an der Marktmiete orientiert und eine vGA zurückgewiesen, nachdem eine GmbH eine Wohnung einem Gesellschafter-Geschäftsführer zu einer zwar nicht kostendeckenden, wohl aber ortsüblichen Miete überlassen hatte. Eine vGA kann nach dieser Auffassung nur dann vorliegen, wenn die Miete unter der ortsüblichen Miete liegt.